The Sky Crawler, ein Anime-Meisterwerk von Mamoru Oshi

Posted on Januar 8, 2013

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Der Film in Daten

Englischer Titel: The Sky Crawlers
Originaltitel: Sukai kurora
Erscheinungsdatum: 2008>
Regie: Mamoru Oshii
Drehbuch: Chihiro Itô
Musik: Kenji Kawai
Laufzeit: 122 Minuten
Vorlage: The Sky Crawlers, von Hiroshi Mori (Romanserie)
Videogame: Sky Crawler: Innocent Aces,
Flugsimulator von Namco Bandai Games

Die Handlung (spoilerfrei)

Der junge Militär-Pilot Yūichi Kannami wird an einen neuen Stützpunkt versetzt. Hier erwartet ihn die Langeweile, denn Piloten ohne Einsatzauftrag haben keine andere Aufgabe, als auf den nächsten Befehl zu warten. Und so plätschert das Leben zunächst ereignislos dahin. Doch Kannami verspürt eine seltsame Verbindung zu der harschen Kommandantin des Stützpunktes – und tritt damit unbemerkt eine Lawine los. Langsam und gleichsam unbemerkt von Akteuren und Zuschauern, treten Ereignisse in Gang, die einen schonungslosen Blick hinter die Kulisse dieser seltsamen Welt gewähren, in der die Mächtigen alles tun, um den Status quo zu erhalten…

The Sky Crawlers – so heißt das neuste Filmprojekt des japanischen Regisseurs Mamoru Oshi. Oshi wurde in Deutschland vor allem durch  Anime Kinofilm „Ghost in the Shell“ berühmt. Auch sein neustes Werk, The Sky Crawlers, zeigt dem Zuschauer die geballte visuelle und erzählerische Kraft des Kultregisseurs. Doch ein wenig spaltet der Film die Geister der Anime-Gemeinde. Kaum Story habe The Sky Crawlers, so beschwert sich mancher Fan auf den einschlägigen Internetseiten. Doch wer auf atemberaubende Bilder Wert legt, wer eine Atmosphäre schätzt, die direkt unter die Haut geht, der wird bei diesem Film auf seine Kosten kommen.

Worum es in dem Film geht

In der Tat, was man da liest, ist schon ein Stückweit war, denn im Grunde erzählt The Sky Crawler nur den Hauch, die Idee einer Geschichte. Der Film spielt in einer Parallelwelt der westlichen Zivilisation des 20. Jahrhunderts, die ebenso in Asien wie in Europa oder Amerika angesiedelt sein könnte. Die Gesellschaft erfreut sich eines friedlichen und prosperierenden Lebens, doch bezahlt sie für ihren Wohlstand einen hohen Preis. Denn ohne Krieg, so die zentrale Hypothese, die der Film zur Diskussion stellt, kann es keinen Frieden geben. Und deshalb tobt in den Lüften, abseits des zivilen Lebens, ein gewaltiger Luftkrieg, dessen Sinn und Ziel sich dem logischen Verstand längst entzogen hat.

Ein persönliches Fazit

The Sky Crawlers ist jedoch ein bisweilen schwer zugänglicher Film, der Geschichte und Thematik nur langsam entrollt und überdies weder eine Position bezieht noch eine Interpretation vorgibt. Wer jedoch ideenreiche, bildgewaltigen Film mag, wer einen Animationsfilme schätzen kann, der Kameraperspektiven ebenso spielerisch einzusetzen weiss wie es Realfilme tun, und wer keine Angst vor einem langsamen Erzähltempo hat, wird in The Sky Crawler stimmungsvollen, bildgewaltigen und nachdenklichen Film vorfinden, der jede Sekunden Wert ist.

The Sky Crawlers im Detail

Erzählweise des Films – Reduktion als Diskussionsanstoß

Die Geschichte des Films zelebriert auf gelungene Weise die Ereignislosigkeit des Lebens auf dem Stützpunkt. Tag und Tag, Woche um Woche rollt das Leben vorrüber in dem abhgelegenen Ort, ohne das etwas Bemerkenswertes geschieht. Oshi bewieß bereits in Ghost in the Shell, das er keine Hemmungen verspührt, schwierige Themen schwierig zu erzählen. The Sky Crawler weißt hier jedoch geradezu das exakte Gegenteil seines berühmten Vorgängers auf: Wo Ghost in the Shell verworren, komplex und unverständlich war, scheint The Skycrawler ereignislos, eindimensional und übersichtlich. Doch der Eindruck täuscht. Vielmehr ist es die Reduktion auf den Kern die erzählerische Herausforderung des Filmes an den Zuschauer.

Die Themen – Worum geht es in dem Film?

Oshi entwirft in seinem neuen Film ein ambitioniertes Szenario, das seine Inhalte nicht in der Breite entfächert, sondern die Ideen gleichsam einem Bild in den Raum stellt, sodass der Zuschauer die Gedankengänge und Ansätze aufnehmen und in seinem Geist bewegen kann. In dem Film geht es um Krieg und Gesellschaft, um Macht und Machterhalt, um Selbstbestimmung und den Sinn hinter den Dingen. Doch wer jedoch klare Positionierungen erwartet wird enttäuscht. Denn natürlich fordert Oshi den Zuschauer auch in The Sky Crawler zum Mitdenken auf. Jede Problematik hat stets mehrere Aspekte, jeder Vorteil eine Kehrseite und generell ist nicht alles so, wie es scheint.

Die Animation – Bildgewalt als Oshis Markenzeichen

Ghost in der Shell wurde nicht nur für eine verschlungene Geschichte, sondern auch und vor allem für atemberaubende Bilder berühmt. Oshi macht in seinem neuen Film seinem Ruf alle Ehre, denn auch The Sky Crawler entfaltet seine Geschichte mit beeindruckender visueller Kraft. Die Bilder des Films sind technisch bemerkenswert, beeindruckend designt und brillant insziniert. Die Qualität der Animationen ist ohne jeden Zweifel auffallend gut. Verblüffend realistisch wirkende Bilder mit detailgenauen Texturen entwerfen eine überzeugende Welt. Die Figuren, die in dieser äußerst professionell animierten Umgebung leben, bleiben hinter der Genauigkeit der Umgebungsanimationen etwas blass zurück. Ein wenig erinnert der Film in diesem Punkt an die geniale Anime-Serie Mushishi, die durch überragend kraftvolle und detailgenaue Bilder berühmt wurde, vor denen sich die klar und einfach gezeichneten, farblich blassen Figuren wie ein seltsamer Kontrast ausnehmen. Doch das vergleichsweise einfache Design der Figuren aus The Sky Crawler schadet dem Film nicht, denn es ist einfachfür den Zuschauer, diesen Bruch zu akzeptieren. Die überragende visuelle Stärke des Films ergibt sich jedoch erst aus der Kombination zwischen technischer Stärke, Design und Inszinierung. Der Film ist zweifelsfrei sehr genau recherchiert. Waffendesgin, Gebäude, Fahrzeuge und vor allem die Flugzeuge sind mit viel Liebe zum Detail entworfen und tragen somit zur eigenwilligen Magie des Filmes bei.

Die Kamera – Animes können eine Kameraperspektive haben

Brilliant und einzigartig ist die Inszinierung der einzelnen Bilder, die Kameraperspektive des Films. Oshi beweist mit The Sky Crawler, das auch ein Animationsfilm in der Tat eine Kameraperspektive und eine Kamerabewegung haben kann. Die sekundenlange Einstellung auf die Rollbahn ist ein Beispiel: Nach und nach bewegen sich alle Figuren aus dem statischen Bild hinaus, bis die Landebahn gänzlich leer ist – oben der blaue Himmel, unten der graue Aspalt. Doch die Kamera behält die Position noch für Sekunden bei. Die Nahaufnahme auf einzene Details oder Handlungen wie das präzise Zusammenfalten einer Zeitung. Geschickt setzt die Kamera die Akteure in Szene und filmt sie auch aus ungewöhnlichen Perspektiven.

Mein Fazit: Sehenswert

The Sky Crawler von Mamoru Oshi wird so machem Kommentar in so machem Forum nicht gerecht. Denn der Film ist meisterhaft in Szene gesetzt und erzählt eine ambitionierte, bewusst auf das Wesentliche reduzierte Geschichte, die in jeder Zeit und an jedem Ort der Welt Aktualität hat. Und vielleicht das Wichtigste: Der Film verbreitet eine Atmosphäre, die den Zuschauer trifft. The Skycrawler ist ein Film, der den Zuschauer auch nach dem Abschalten des Fernsehers noch ein wenig beschäftigen wird. Und das ist mehr, als man von so machem Film, egal ob Anime oder nicht, behaupten kann.

Links zum Film

Imdb

Wikipedia

Anisearch

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