Im Kino: Cheyenne – this must be the place

Posted on Dezember 23, 2011

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Der Inhalt
Der alternde Ex-Rockstar Cheyenne kann mit seinem Leben nichts anfangen und lebt als kauzige Eigenbrödler zurückgezogen mit seiner patenten Frau in Dublin. Eines Tages erreicht ihn die Nachricht, dass sein Vater im Sterben liegt. Cheyenne, der 30 Jahren nicht mit seinem Vater gesprochen hat, fährt widerwillig nach New York, trifft seinen Vater jedoch nur noch tot an.  Er erfährt, dass der Vater Zeit seines Lebens auf der Suche nach seinem in den USA untergetauchten KZ-Peiniger war. Cheyenne beschließt, den Mann aufzuspüren und beginnt eine Autoreise quer durch das Land.

Skurilles Road-Movie

Der italienische Regisseur Paolo Sorrentino hat sich für seinen ersten Film, der in Amerika spielt, eine sonderbare Geschichte ausgedacht. Die Suche eines ehemaligen Rockstars nach einem KZ-Schergen entpuppt sich als ein Roadmovie voller skurriler Begegnungen. Sorentino erzählt uns die Geschichte von Menschen, die in der Vergangenheit stecken geblieben sind und den Schritt in die Gegenwart nicht schaffen. Es geht um die Unfähigkeit zur Veränderung, die Einfaltslosigkeit gegenüber dem eigenen Leben, um Erinnerungen, die die Gegenwart ersticken, um Verleugnung und um Flucht.

In den Klauen der Vergangenheit

So sehen wir einen alternder Rockstar aus den 80ern, der sich mit seinem Leben nach den wilden Bühnenjahren nichst anfangen kann, eine Mutter, die Tag und Tag auf  auf ihren Sohn wartet, ehemalige NS-Flüchtlinge, deren grauenvolle Erfahrungen im Nazireich ihr ganzes Leben in den USA bestimmt, eine junge Frau und ihr Sohn, die mit dem Geist des toten Mannes und Vaters leben sowie ein Alt-Nazi, der vor seinen Verbrechen nicht flüchten kann, ein junges Mädchen, das vor ihrer Gegenwart davonläuft und die Frau eines SS-Schergen, die 50 Jahre nach Hitler immernoch mit der Verleugnung der Realität lebt.

Tuntiger Alt-Gothic auf Laudanum

Cheyenne ist ein ehemaliger Rockstar, der die Rock-Maxime „live hard, die young“ verpasst hat und lebt inmitten seiner Reichtümer wie ein Relikt. Sean Penn spielt den Alt-Gothic mit einer charakteristischen Fistelstimme  und langsamen, schleppenden Bewegungen, so als stände er unter einem Sedativum, sowie der unsicheren Körperhaltung eines weit älteren Menschen, die auf einen langen Drogenmissbrauch hindeutet. Zweifelsfrei verkörpert Penn den skurillen Cheyenne äußerst überzeugend. Die Frage, warum der Regisseur ausgerechnet diesen Charakter als Hauptfigur wählte, kann er jedoch auch nicht beantworten.

Fazit

Die Geschichte ist als klassisches Road-Movie erzählt, in dem die Hauptfigur ein Ziel verfolgt und dabei immer wieder auf skurrile, seltsame oder einprägsame Menschen trifft. Letztlich wird Cheyenne, klassisch in der Tradiion eines Road-Movies, durch die Reise und die Personen, auf die er trifft, verändert. Meines Erachtens nach bleibt die Geschichte trotz extrem skuriller Hauptfigur und trotz des NS-Themas ein typisches Road-Movie. Die Botschaft, die der Film erzählen will, erschließt sich mir jedoch nur sehr zögerlich und das Ende des Films ließ mich zunächst etwas unzufrieden zurück. Er deprimiert ein wenig, ohne einen überzeugenden Grund dafür zu liefern. Das macht ihn für mich letztlich zwar sehenswert, aber nicht zugkräftig genug für ein Tripple-A.


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