Ist die Schweiz noch PC? Oder: Die politische Netbook-Tasche

Posted on Oktober 28, 2011

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Ich habe mir eine Netbook-Tasche gekauft. In die Entscheidung habe ich viel Zeit investert, denn das Design einer Tasche, egal für welchen Zweck das gute Stück gedacht ist, ist schließlich von höchster Bedeutung (ach ja, die Größe stimmt natürlich auch – 26 cm, 10,2 Zoll –alles bestens). Meine Wahl viel letztlich auf das Modell der mir bis dato unbekannten Taschenfirma aha. Farblich war das Objekt meiner Wahl extrem ansprechend: Oliv als Grundton, weiß und rot in den Appliaktionen. Etwas „kawaii“, aber nicht zu viel. Was will das Auge mehr. Ich hätte auch rosafarbene Verzierungen genommen. Nur gab es die nicht. Als ich die Taschen dann in den Händen hielt, war alles bestens: Das Netbook passte perfekt, das Ladegerät auch. Selbst ein USB-Stick hat noch Platz. Was will frau mehr?

Die eidgenössische Netbooktasche

Neulich habe ich meine Neuerwerbung dann zum ersten Mal in der Öffentlichkeit ausgeführt. Dies zog auch prompt Reaktionen nach sich. Vor allem eine. Natürlich will frau eine Antwort, wenn sie eine neue Tasche (egal, welchen Zweck diese erfüllt) spazieren trägt. Insofern war mir der Kommentar ganz recht. Er war auch durchaus positiv. Besagte Frau rief entzückt, wie schön, ich habe ja eine Tasche mit schweizer Design. Ja, stimme, die Flagge sei ja da, und das sei Edelweiß. Es gefiele ihr. Sie möge die Schweiz. Ich nickte lächelnd. Und war insgeheim verwirrt. Seit wann stammt meine schöne oliv-weiß-rote Netbooktasche aus dem Alpenländle? Leider musste ich der Bekannten sofort zustimmen – die schweizerische Fahne und die berühmte weiß-rote Farbgebung war nicht zu übersehen. Doch mir dieses nicht ganz unwesentliche Detail beim Kauf schlicht und einfach entgangen.

Minarettverbote und Kaufboykott –  Linsrechts-Populismus aus dem Alpenländle

Symboliken sind von nicht zu unteschätzender Bedeutung. Denn mit jedem Zeichen, jeder Metapher, die der Mensch an sich und mit sich spazieren trägt, tätigt er eine Aussage, ob er will oder nicht. Auch ich sage etwas aus, wenn ich meine Netbook-Tasche spazieren fahre, und zwar, dass ich die Schweiz mag.  Zumindest so sehr, das ich eine Tasche im Schwyzer-Look mit mir führe. Doch will ich das überhaupt? Diese Frage trat mir heute wehement in den Kopf, als ich die Zeitung aufschlug. Taz vom 04.07.11, trat mir auf einer Seite folgende Meldung entgegen: Kampaggne der WOZ vom XXX: „Israelische Produkte kaufe ich nie“. Aus der Schweiz. Eine ganze Reihe schwyzer Bürger in Bürgerinnen taten hier ganz offen mit Bild und Namen diese Ansicht kundt.

Zwar wurde diese Meldung eingerahmt von der Headline des Tages,  Partei „Die Linke“ habe sich (offiziell) endlich dazu entschloss, das Existenzrecht des Staates Israel anzuerkennen (die WOZ ist eine linke Wochenzeitung), doch verliert die seltsame Ansicht mancher Eidgenossen damit nichts von ihrer Schärfe. Trage ich nun die Ansichten einiger linkspopulistischer Spinner aus der Schweizer  auf meiner Tasche spazieren?

Die seltsame WOZ-Kampagne allein würde meine eidgenössischen Bedenken nicht entfachen, doch hat das besinnliche Alpenstätchen noch mehr Erheiterndes zu bieten. Zum Beispiel das Minarettverbot. Initiiert wurde der Kampf gegen den Bau von Minaretten in der Schweiz von der Schweizerischen Volkspartei. Und hat außerhalb der Alpen für einiges Kopfschütteln gesorgt. Führe  ich nun die Ansichten der Schweizer Volkspartei auf meiner Tasche aus?

Populistische Sauce schmeckt überall gleich …. schlecht

Doch je länger ich darüber nachdenke, desto mehr wird mir klar: Die ganze Angelegenheit entbehrt einwenig der Logik. Schließlich ist die Hetzkampagne gegen Israel pro-palästinensisch ausgerichtet – und damit FÜR den Islam, während die populistische Propaganda der Schweizerischen Volkspartei sich GEGEN den Islam richtet. Nun ist  der eine Schreihals-Haufen links, der andere rechts ausgerichtet. Logisch. Schließich scheint der Linke tendentiell pro-muslimisch (bzw. anti-Israelisch) und der durchschnittliche Rechte nun ja – generell anti alles, was nicht er selber ist….??? Ich gebe mir an dieser Stelle nicht die Mühe, solch fragwürdige Positionen nachzuvollziehen…

Bleibt das Fazit, das die ranzige rote Sauce auch nicht immer besser schmeckt als jene schleimige braune Brühe, in der sich jegliche logische Konturen in den Fettaugen auflösen. Populismus doch überall gleich.

Dies soll mir zum Trost gereichen: Schweizerische Rechtspopulisten sind genauso dumm wie deutsche Rechtspopulisten auch.

Und genauso wie in unserem schönen Lande glaube ich ganz fest daran, dass es sich bei den Anhängern der Braunen Soße um eine absolute Minderheitsmeinung handelt.

Deshalb werde ich meine schöne Schweizer-Tasche weiter tragen.

(Und jedem Braunsößigen, der es wagt auf Kosten meiner Tasche seine Schundmeinung zu verbreiten,  hetze ich Hellboy auf den Hals hetzen!)

In diesem Sinne:

Hellboy sei mit mir

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