Filmkritik: Pirates of the Caribbean 4 – Nothing fancy, savvy?

Posted on Mai 30, 2011

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The_Black_Pearl_III_by_jagscupid

Er hat es wieder getan. Johnny Depp hat die Kinowelt mit einer Neuauflage des allseits beliebten Piraten Captain Jack Sparrow beglückt. Pirates of the Caribbean – On Stranger Tides (zu deutsch: „Fremde Gezeiten“) lief am 19. Mai 2011 in Deutschland an. Vergangenen Samstag habe mir im örtlichen Multiplex-Kino das Vergnügen gegeben – natürlich gezwungener Maßen in 3D, dafür jedoch in der Originalversion (ohne Untertitel). Meine Erwartungen an das karibische Spektakel der vierten Art war einigermaßen niedrig. Ein Umstand, der sich als praktisch herausgestellt hat, denn auf diese Weise habe ich mich im Kino durchaus amüsiert. Ob das mit höheren Erwartungen an den Film auch noch möglich gewesen wäre, sei jedoch dahingestellt.

Fluch der Karibik Teil 4 – On Stranger Tides

Der vierte Teil der Piratensaga greift das Ende des 3. Teils, Pirates of the Caribbean – At World’s End (Am Ende der Welt) auf. Für alle, die sich nicht erinnern: Der dritte Teil endet mit Johnny Depp in einem Ruderbot – in den Händen hält er eine Karte, die den Weg zum Quell der ewigen Jugend weißt. Der vierte Teil eröffnet mit eine vertrauten Szenario: Captain Jack Sparrow, mal wieder ohne Crew und ohne die Black Pearl, aber dafür auf dem Weg zu neuen Abenteuern. Die erste Großaufnahme  des beliebten Capt’ns zeigt ihn in altbekanntem Glanz: Kajalstift umrundete Augen geflochtenes Ziegenbärtchen, diverse Goldzähne (alle echt), Dreadlocks behangen mit mehr Billigschmuck als ein Souvenier Shop, dazu das gewohnt geckenhaft-betrunkene Auftreten und der breite Akzent lassen vertraute Atmosphäre aufkommen. Der Film beginnt mit einer furiosen Captain-Jack-Sparrow-Einlage der Extraklasse und auch auf die vertraute Titelmelodie aus der Feder von Hans Zimmer lässt nicht lange auf sich warten. Nur der Ort ist neu: Teil 4 startet in London.

Was folgt, folgt einem altbekannten Muster: Drei Parteien, die spanische Armada, britische Offiziere und Piraten, liefern sich ein Wettrennen zum Quell der ewigen Jugend. Mit von der Partie ist wieder Barbossa, neu dazu gesellt sich Blackbeard und Penelope Cruz als wilde Piratenbraut und Captain Jack Sparrows ehemalige Flamme. Es stellt sich jedoch als nicht so ganz einfach heraus, denn um den Quell der ewigen Jugend benutzen zu können, bedarf es einiger Gadgets. Auch Magie kommt in diesem Film nicht zu kurz, auch, wenn sie sich nicht so bombastisch in den Vordergrund drängt wie im 3. Teil. Das Erscheinen einer Gruppe von Meerjungfrauen gehört zu den beindruckenderen  Sequenzen des Films.

Bodenständige Piraten: Gutes Casting, wenig innovative Charaktere

Insgesamt sollte man seine Ansprüche an den Film flach halten. Denn weder Story noch Charaktere glänzen durch Höhenflüge. Wobei Casting und schauspielerische Leistung nicht das Problem des Film sind. Die Neuzugänge, Penelope Cruz als Piratin Angelica und Ian McShane als Blackbeard sind gut besetzt und spielen überzeugend. Das die spanische Schauspielerin zu dem Zeitpunkt schon ziemlich schwanger war, sieht man es weiß, denn die Schnitte des Films vermeiden geschickt Ganzkörperaufnahmen. Einige bekannte Gesichter sind auch im vierten Teil wie Geoffrey Rush als Barbossa undKevin McNally als Gibbs wieder mit an Board. Außerdem hat auch Keith Richards als Captain Teague (und Jack Sparrows Vater) wieder einen kleinen Gastauftritt. Allen, die es noch nicht mitbekommen haben, sei warnend mit auf den Kinoweg gegeben: Weder Keira Knightley noch Orlando Bloom segeln mit in die Tiefen der karibischen See.

Drehbuch – Erwarten Sie bei einem Geradeausflug bitte keine Kurven

Weniger überzeugend ist das Drehbuch, das zu wenig Raum hergibt für eine sorgfältige Charakterisierung. Manche Charaktere, wie der Priester Philip (Sam Claflin) betreten die Bühne der Geschichte und verlassen sie wieder, ohne je wirklich in die Story eingeführt oder eingebunden worden zu sein. Ähnlich dünn ist die Bindung des Zuschauers an derartige Nebencharaktere. Auch in puncto Story leistet das Drehbuch keine Glanzleistung – so schafft der Plot des 4. Pirates of the Caribbean Films, gleichzeitig unlogisch und zu sehr geradeaus erzählt zu sein. Doch sollte man die Latte nicht zu hoch anlegen an den eigenen Anspruch. Auch der genial erste Teil der Fluch der Karibik-Saga zeichnete sich nicht durch eine innovative, verwickelte und logisch koherente Geschichte aus. Was den Film so überzeugend macht sind vielmehr mitreißende Szenen, charmante Charaktere, überzogener Actio-Spaß, jede Menge Augenzwinkern und ein grandioser Johnny Depp. Vielleicht ist es das charmante Augenzwinkern, die Originalität der Kleinigkeiten, die den späteren Teilen der Reihe zugunsten von zu viel CGI abhanden gekommen ist.

Pirates of the Caribbean – Ohne Captain Depp geht kein  Schiff in die Karibik

Ohne Johnny Depp und seine Paraderolle, den Captain Jack Sparrow, gibt es keine Pirates of the Caribbean. Das wurde Disney während der Planungsphase des 4. Teils überdeutlich klar. Und so bezahlte der Konzern dem wohl berühmtesten Piratenschauspieler nach Erroll Flinn die Rekordsumme von 55,5 Millionen US-Dollar. Denn ohne ihn, so schreibt die englische Wikipedia so schön, wäre das Franchise des Films „dead and buried“. Die Gesamtdrehkosten des Films wurden gleich zu beginn auf  150 Millionen US-Dollar beschränkt. Damit kostete „On Stranger Tides“ nur halb so viel wie Fluch der Karibik Teil 3, At World’s End. Gedreht wurde das neue Piratenspektakel überwiegend in Hawaii und London. Die Wahl der Drehorte wurde auch durch Kostengründe bestimmt, denn an beiden Orten waren die steuerlichen Bedingungen für Disney günstiger als in Hollywood.

Box Office Einnahmen –  Schatzsuche am Eröffnungswochenende erfolgreich abgeschlossen

On Stranger Tides has earned an estimated $152.9 million in the United States and Canada, as of May 29, 2011, and an estimated $470.8 million in other territories, as of May 29, 2011, for a worldwide total of $623,716,000.[72] It scored the third-largest opening weekend of all time worldwide ($350.6 million), behind that of Harry Potter and the Half-Blood Prince ($394 million) and Spider-Man 3 ($381.6 million). It was also slightly ahead of the global opening of At World’s End ($344 million), to mark the franchise’s largest worldwide debut. Trotz aller Kritik hat die Box Office Performance des 4. Fluch der Karibik Teils überzeugt: Pirates of the Caribbean, On Stranger Tides, spielte am 29. Mai 2011 in Kanada und den Vereinigten Statten geschätzte 152,9 Millionen US-Dollar ein. Am Eröffnungswochenende spielte Fluch der Karibik 4 weltweit geschätzte 350.6 Millionen US-Dollar ein. Damit rangiert der Film nun auf Platz 3 der Liste der Filme mit den höchsten Einnahmen am Eröffnungswochenende, gleich hinter Harry Potter and the Half-Blood Prince ($ 394 Millionen) und Spider Man 3 ($ 381.6 Millionen), und liegt noch ganz leicht vor At World’s End (344 Millionen US-Dollar).

Pirates of the Caribbean 5 und 6: Solange es Schätze gibt, wird es auch (Disney-) Piraten geben

Natürlich plant Produzent Jerry Bruckheimer angesichts solch überzeugender Einnahmezahlen bereits zwei weitere Sequels. Es wundert nicht besonders, schließlich war spätestens  bei Teil 4 jedem klar, dass Disneys Piratenschiffe so lange durch die sieben Kinomeere segeln würden, bis nichts mehr zu holen ist. Oder bis Captain Johnny Depp die Segel streicht. Denn ohne Jack Sparrow wird es kein Fluch der Karibik geben. Doch wie es scheint, ist Mr. Depp einer weiteren Fortsetzung nicht abgeneigt. Das Drehbuch zu Teil 5 liege schon auf seinem Schreibtisch, so wird berichtet. Filmstarts.de vermutet, dass der Schauspieler wohl noch auf die richtigen Zahlen auf dem Gehaltsscheck wartet. Das Mr. Depp vom Piratenleben nicht genug bekommt, überrrascht nicht. Denn schließlich hat der schrullige Captain den einzt als Rebell von Hollywood titulierten Schauspieler nicht nur in die Top-Liga der Stars von Hollywood katapultiert, sondern gleich mit an die Spitze der bestverdienenden männlichen Schauspieler Hollywoods (Forbes Liste). Mit sagenhaften Gagen von über 50 Millionen US-Dollar dürfte der Schauspieler für jetzt und in alle Ewigkeit ausgesorgt haben, selbst wenn er bis an sein Lebensende nur noch Flops drehen dürfte. Bleibt abzuwarten, wie lange der zurzeit noch gute Ruf Johnny Depps als guter Charakterdarsteller und Rebell der Traumfabrik noch anhalten wird angesichts eines seichten Piratenfilms nach dem anderen. Ich für meinen Teil hoffe, das Mr. Geldgierig bald die Notbremse zieht und sich darauf besinnt, dass Legenden nur dann am Leben bleiben, wenn man rechtzeitig aufhört, statt sie durch Überstrapazierung zu demontieren.

Fazit – auch in seichten Gewässern kann man sich als Pirat amüsieren

Der erste Teil der Pirates of the Caribbean Serie war ohne Zweifel ein Meisterstück der Popcorn-Unterhaltung, der zweite Teil entpuppte sich als Enttäuschung, der dritte war, wohl auch dank äußerst niedrig geschraubter Erwartungen, wieder einigermaßen unterhaltsam. Der Vierte – nun ja: Ich sage nur so viel: Rechnet mit dem, was ihr erwartet habt, als ihr davon gehört habt, das es einen vierte Teil von Fluch der Karibik geben soll und erwartet seichtes Popkornkino, viele bunte Bilder und  viel Krawumm. Erwartet keine komplexe Story, keine Logic, keine menschlichen Dramen und tiefgehende Charaktere. Kurz: Erwartet so wenig wie möglich. Dann werdet ihr euch möglicherweise prächtig amüsieren. Ich gehe davon aus, das sehr viele Zuschauer mit dieser Einstellung ins Kino gegangen sind. So erkären sich auch die hohen Wertungen bei Imdb (7 von 10) und Rotten Tomatoes (Zuschauerwertung 66% gegenüber einer vernichtenden Kritik der Redaktion). Die vernichtenden Kritiken so mancher Stimmen resultieren vermutlich aus einer berechtigten Kritik: Ein Popkorn-Film benötigt keine komplexe, logische Geschichte, keine sozialen Dramen und auch keine charakterliche Entwicklung. Doch benötigt er Charme und Witz. Diese beiden Aspekte, gekrönt mit einer ordentlichen Prise Augenzwinkern, haben Fluch der Karibik, The Curse of the Black Pearl, so berühmt gemacht. Dem 4. Teil sind diese drei entscheidenden Zutaten jedoch ein wenig abhanden gekommen. Trotzdem habe ich die 12 Euro, die ich in den Film investiert habe, jedenfalls trotz aller Kritik nicht bereut. Denn das Pirates of the Caribbean 4, On Stranger Tides, wohl kaum Kinogeschichte schreiben würde, stand für mich vorher fest.

Pirates of the Caribbean in Daten

Länge: 136 Minuten

Regie: Rob Marshall
Writer: Ted Elliot, Terry Rossio u.a.

Cast
Johnny Depp …Jack Sparrow
Penélope Cruz …Angelica Malon
Geoffrey Rush …Barbossa
Ian McShane …Blackbeard
Kevin McNally …Gibbs
Sam Claflin …Philip
Astrid Berges-Frisbey …Syrena
Stephen Graham …Scrum
Keith Richards …Captain Teague
Richard Griffiths …King George
Greg Ellis …Groves
Damian O’Hare …Gillette
Óscar Jaenada …The Spaniard
Anton Lesser …Lord John Carteret
Roger Allam …Prime Minister Henry Pelham

Production Companies

Jerry Bruckheimer Films
Walt Disney Pictures
Moving Picture Company (MPC)
Translux (Facilities and Trucks)

Quellen

Imdb

Wikipedia

Filmreview The Globe and Mail

Filmreview Denverpost

Filmreview lariat.org

Box Office Mojo

Filmstarts.de

Filmindustrynetwork

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