Asaf Avidan and the Mojos in Köln – Janis Joplin meets Robert Plant

Posted on Mai 23, 2011

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Asaf by Louise Green

Neuentdeckung am Musikhimmel – zumindest für alle Fans ausgefallener Singstimmen –  heißt Asaf Avidan. Der israelische Sänger, der  zusammen mit seiner Band als “Asaf Avidan and the Mojos” auftritt, überzeugt alle Indie-Liebhaber mit seiner vielschichtigen Musik. Das Besondere an Avidan ist nicht nur seine kreative Blues-artige Folk-Rock Musik, die melancholischen Melodien und die poetischen Texte, sondern vor allem die Tatsache, dass Mr. Avidan klingt wie die Wiedergeburt von Janis Joplin und Robert Plant in einer Person. Es ist eine an Obertönen reiche Stimme, die heiser kreischen, juchzen, zwitschern, deftig locken, gurren und knurren kann, ganz wie die legendäre Rockröhre der Hippie-Zeit. Dabei muss sich der Hörer ab und an in Erinnerung rufen, dass Asaf Avidan ein Mann ist. Wer sich selbst von der Sangeskunst des isaelischen Musikwunders überzeugen will, hatte 03.05. in Köln im Gloria die Chance, Asaf Avidan and the Mojos live zu bewundern.

Asav Avidan and the Mojos im Gloria in Köln

Das Gloria war beileibe nicht ausverkauft an diesem Abend, doch der Stimmung im kleinen Theater tat das kleinen Abbruch. Entspannt standen wir über unserem Bier, namen das diesjährige Programm der Veranstatungsfläche zwischen den Museen in Bonn auseindander und spektulierten, ob es wohl eine Vorband geben würde. Darüber wusste keiner so recht bescheid. Mein Bekannter unterbrauch seine Erörterungen über den Auftritt von The Pogues inklusive des durch alkoholexzesse und selbstzestörerisches Verhalten in bester Rock n Roll Manier berühmt gewordenen Sänger Shane MacGowan mit der Aussage: „Steht da nicht jemand auf der Bühne?“ Das muss die Vorgruppe sein – sagten wir uns. Ein Sänger mit Gitarre. Passt ja. Doch als der „Sänger mit Gitarre“ den Mund öffnete, war klar: Es war Asaf Avidan persönlich, der sich still und heimlich, ohne Ankündigung oder Fanfare mit einer Gitarre auf die Bühen geschlichen hatte. Es war ein ruhiger, stimmungsvoller Auftakt für ein Konzert, das sich als wunderbares Erlebnis entpuppen sollte.

Man habe ihm schon vorgeworfen, er baue seine Konzerte unlogisch auf – berichtete Mr. Avidan zwischendurch. Erst langsam, dann schneller, dann wieder langsam. Sich systematisch nach oben zu steigern sei angeblich logischer. Doch davon hielt er nicht viel. Deshalb begann das Konzert mit ruhigen Gitarrenstücken steigerte sich dann wild nach oben, als alle Mojos zu Höchsttouren aufliefen und fand dann in einem dritten Teil, in dem der Sänger die Band am Klavier unterstützte einen ruhigen Ausklang.

One breathtaking voice

Asav Avidans Stimme war all das, was man von ihr erwartet hatte – und mehr. Der geniale Sänger ist fähig, sämtliche menschenmöglichen Register einer Singstimme anzuschlagen, von hohem Falsett bis hin zu kraftvollen krächtzenden und röhrenden Tönen, an denen Janis Joplin ihre helle Freude gehabt hätte. Der Vergleich kommt schließlich nicht von  ungefähr. Und so standen wir in der kleinen, begeisterten Menge an Menschen, bas erstaund ob der Erkenntnis, was dieser Sänger zu leisten vermochte. Ungefähr nach der Hälfte des KOnzertes neigten sich die Köpfe zusammen: „Das wird er nicht durchalten“, „Ja, das macht die Stimme nicht mit bis zum Ende. Too much“. „Kate Nashs Stimme letztes Jahr in der Live Musik Hall hat auch nicht durchgehalten“. Und die nächsten heiseren Krächtstöne schienen unseren Eindruck zu bestätigen.

Wir nickten einander bestätigend zu. Bis genau zum übernächsten Lied. Der scheinbar stimmerschöpfte Sänger hob die Stimme – und heraus kamen kristallkalre Töne, kraftvoll schwebten sie direkt in die Bauchmuskeln der Zuhörer. Von wegen die Stimme hält nicht durch. Wir sollten eines Besseren belehrt werden. Die wunderbare Stimme hielt nicht nur bis zum Ende durch, sie zeigte bis zum Ende keinerlei Ermüdungserscheinungen. Vielmehr demonstrierte Asaf Avidan seine enorme Spannweite eindrucksvoll, als er bewies, dass er nicht nur ausgefallene Gesangsformen, sondern sondern auch den normalen Gesang perfekt beherrscht: In der Tat hat er eine erstaunlich baritonartige Stimme, die auch ohne „Extrafeatures“ eindrucksvoll klang. Und um den Sangeskünsten die Krone aufzusetzen entpuppte sich der Herr aus Israel als prächtiger Sprech-Sänger, der mich mit seiner Kraft und seinem Rythmusgefühl entfernt an Anne Clark erinnerte.

And some genius musicians

Die genialen Musiker, die Mojos, trugen ihren Teil zum Gelingen dieses schönen Abends bei. Die Band bestand wenigstens aus einem Schlagzeuger, einem Cellisten oder Kontrabassisten und einem Gitaristen. Auch, wenn mir die konkrete Zusammensetzung der Band entfallen ist, waren es doch durch die Bank weg mitreissende, talentierte Musiker, die mit viel Wucht und Begeisterung durch jeden Song trugen. In den kraftvollen Klangteppich, der bisweilen ausgebreitet wurde, schmiegte sich die Stimme Avidans perfekt abgemischt ein: nie zu laut, nie zu leise.

Das Konzert fand nach 1.5 Stunden und zwei Zugaben seinen würdigen Rock-Abschluss. Avidan stolzierte für die letzte Zugabe mit einem Weinglas voll Wasser in der Hand auf die Bühne, das jedoch garantiert nicht das einzige war, was der deutlich beschwipste Sänger im Verlauf des Konzerts zu sich genommen haben dürfte, legte seine letzte Nummer souverän und eindrucksvoll wie immer hin, erklomm gegen Ende des Liedes die Drumms und viel dem Schlagzeuger dann in bester Rock n Roll Tradition in den Schoß, womit ein genialer, wunderbarer Abend seinen Abschluss fand.

Eins steht fest: wir kommen wieder

Ein Punkt rückte mir nachdrücklich ins Gedächtnis. Obwohl ich kaum ein Lied kannte, da ich die CD erst kurz zuvor erworben hatte, war mir nicht ein einziges Mal langweilig gewesen. Ganz im Gegensatz zum Konzert der eben bereits erwähnten Kate Nash (2010), wo sich die Unkenntnis der Stücke für mich als hinderlich herausgestellt hatte. Einstimmig beschlossen wir jedenfalls, nach dem wir  zufrieden ob des gelungenen Abendes vor dem Gloria standen, waren Asaf Avidan and the Mojos live noch viel besser als auf CD. Bleibt zu hoffen, das Asav Avidan and the Mojos schon bald wieder auf Tour kommen werden. Denn wir wollen sie wieder sehen. Beim nächsten Mal. Definitiv.

Diskografie

Now That You’re Leaving (Minialbum) (2006)

The Reckoning (Album) (2008)

Poor Boy/Lucky Man (Album) (2009; außerhalb Israels 2011)

Through the Gale (Album) (2010)

Asav Avidan

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Copyright/Picture by: Louis Green, Asaf Avidan

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