Verwirrende Filme: Von Inception bis Peter Greenaway

Posted on Mai 20, 2011

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An einem Wochenende vor geraumer Zeit habe ich zusammen mit Freunden Shutter Island auf DVD gesehen. Ein Teil der Anwesenden war auch zusammen mit mir in Inception gewesen. Shutter Island ist ein überaus empfehlenswerter Film (für alle, die ihn noch nicht kennen). Im Anschluss hatten wir eine lustige kleine Debatte über die Frage, was ein verwirrender Film ist und wie verwirrend die Handlung eines Films sein darf. Shutter Island war auf jeden Fall verständlich. Bei Inception gingen die Meinungen da schon eher auseinander. Ein Teil der Anwesenden fand ihn zu konfus, andere fanden ihn kompliziert, aber nicht zu verwirrend. Eine Story, über die sich eben trefflich diskutieren lässt🙂

Besonders schwierig ist es natürlich, wenn man sich an die Handlung nicht mehr richtig erinnern kann. Bzw. nicht mehr gut genug, um sich sicher zu sein. Ich für meinen Teil mag Filme, über die man am Ende etwas zu grübeln hat. Auch, wenn es darum geht, eine verknotete Handlung aufzudröseln. Gerade dann. Inception hat in diesem Punkt für einen Blockbuster zwar einiges zu bieten gehabt, aber wenn man sich auch das Programmkino anschaut, geht das noch besser🙂

Memento  ist ein bekannteres Beispiel für einen Film der eine verwirrende Handlung hat. Sie wird bekanntlicher weise von hinten nach vorne erzählt, als das Ende zuerst. Da hat man was zu knobeln.

Ein weniger bekanntes Beispiel ist „Der Kontrakt des Zeichners“, von Peter Greenaway. Die Handlung wird zwar geradlinig erzählt, aber zum einen merkt der Hauptdarsteller nicht, was abgeht und der Zuschauer entsprechend auch nicht und zum anderen ist es höchst schwierig, die Darsteller zu unterscheiden (was allerdings absicht ist). Was eigentlich geschehen ist entschlüsselt sich dann nur anhand von Andeutungen und Hinweisen in einzelnen Bildern. Ein sehenswerter Film, aber nicht ganz ohne🙂

Dann gibt es natürilich Regisseure, die bekannt sind für verwirrende Handlungen. Zum einen David Cronenberg. An Spider kann ich mich zwar nicht mehr richtig erinnern, aber er war irritierend. Naked Lunch  hingegen vergisst man nicht, wenn man ihn einmal gesehen hat. Der Autor der Romanvorlage hatte reichlich Drogenerfahrung und das merkt man der Story an. Ein extremer Film🙂.. man kann die Handlung gar nicht richtig beschreiben. Ich sag nur so viel: Ich hätte nie gedacht, das eine gute alte Schreibmaschine eine so obszöne Angelegenheit sein kann🙂. Umbedingt ansehen.

Der Meister der unverständlichen Handlungen ist trotzdem David Lynch. Filme wie „Lost Highway“ oder Mulholland Drive suggerieren dem Zuschauer, man können die Handlung durch reichlich Nachdenken aufschlüsseln, aber das ist ein Trugschluss. Die Handlungen sind nicht zu verstehen. Alles Absicht. Aber ich halte David Lynch für einen tollen Regisseur. Empfehlenswert ist sein erster abendfüllender Film, Eraserhead. Dieser Film ist etwas vergleichbar mit Naked Lunch: Ein Traum, aber ein Albtraum. Und die Handlung ist ebenso unlogisch und unverständlich wie die eines echten Traums. Alles, was im Traum logisch erscheint, entpuppt sich nach dem Aufwachen als unzusammenhängende Bilder.

Da kann Inception, so gut der Film auch ist, nicht mithalten😀

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