Miss Manners – eine amerikanische Institution

Posted on Mai 10, 2011

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Hierzulande kennt kaum jemand ihren Namen, doch in den USA ist sie eine Institution der Zeitungswelt: „Miss Manners“. Seit 1978 betreibt die amerikanische Journalistin und Autorin Judith Martin unter diesem Pseydonym in der renommierten Washington Post eine Beratungscolumne gleichen Titels. Hier berät sie dreimal in der Woche ratsuchende Leser in Fragen von Benimm und Etikette. Was daran so spannend ist, mag sich der Leser jetzt fragen. Wer interessiert sich denn für Etikette? Doch wer einmal Miss Manners gelesen hat begreift schnell, warum Judith Martin mit ihrem Alter Ego so berühmt wurde.

Hilfe, was sage ich da nur? Miss Manners hat die Antwort

Zum einen ist „Miss Manners“ mehr als ein Knigge auf Amerikanisch. „Manners“ wird hier äußerst vielfältig ausgelegt. Was sagt man dem Onkel, die sich regelmäßig ungefragt einlädt und gleich mehrere Tage bleibt? Muss ich ein Geschenk mitbringen, wenn die Geburtstagseinladung eindeutig „Bitte keine Geschenke“ fordert? Was antwortet man Nachbarn, die zu nachdrücklich Fundraising betreiben? Und was antwortet man, wenn die beste Freundin wieder einmal im Büro anruft, weil sie Liebeskummer hat?

All diese und viele weitere große und kleine Probleme des täglichen Lebens beantwortet Miss Manners mit geradezu unnachahmlicher Art. Höflich, intelligent und charmant, aber auch spitzzüngig, nachdrücklich und energisch trifft Miss Manners bei ihrer Antwort auf unsere Fragen stets den Nagel auf den Kopf. Sie formuliert eben jene perfekte Antwort, die man selbst schon so oft benötigt hätte, die uns, wenn die Situation eintritt, aber nie einfallen will.

Miss Manners – sprachliche Blüten voll spitzer Intelligenz

Die Kolumne von Judith Martin bietet reichhaltigen Fundstoff für viele gute und weise Lebenstipps, die auch nicht-amerikanische Leser jederzeit in  ihrem Alltag anwenden können. Die unnachamliche Art der Kult-Journalistin, die es schafft, höflich zu bleiben und dabei kein Blatt vor den Mund zu nehmen hat als Paradebeispiel zwischenmenschlicher Kommunikation auch für Europäre höchsten Unterhaltungswert.

Freunde der englischen Sprache können sich dabei gleich noch an der Formulierungskunst der Autorin erfreuen. So bezeichnet sich die Autorin in ihren Antworten stets in der dritten Person: „Ms Manners hopes….“.

Und nicht zuletzt bietet die Kolumne einen ehrlichen und intelligenten Einblick in die US-Amerikanische Gesellschaft. Nicht in die klischebesungenen dummen, waffentragenden Dickbäuche voller Vorurteile, sondern in den Alltag normaler Menschen, Europa so ähnlich, aber doch aus einer anderen Kultur. Inmitten von Proms, Fundraising und Baby Shower lernen wir den amerikanischen Bürger von einer faszinierenden, sympatischen und äußerst menschlichen Seite kennen.

Judith Martin – die Person hinter Miss Manners

Judith Martin, Jahrgang 1938, schreibt ihre Advice Columne in der Washington Post seit 1978. Nach über 30 Jahren hat sie sich einen Kultstatus erobert in der amerikanischen Medienwelt. 2005 verlieh ihr Präsident George W. Bush für ihre Leistung die National Humanities Medal. Neben ihrer Kolumne in der Washington Post, die sowohl im Print-Bereich als auch in der Online-Ausgabe veröffentlicht wird, schreibt sie für wowOwow, einer Webseite für Frauen über Politik, Kultur und Klatsch. Außerdem hat sie zahlreiche Bücher zum Thema Etikette und Mannieren veröffentlicht.

Zur Bedeutung von Manieren und Etikette in der modernen Gesellschaft sagte Judith Martin in einem 1995 von Virginia Shea geführten Interview:

„You can deny all you want that there is etiquette, and a lot of people do in everyday life. But if you behave in a way that offends the people you’re trying to deal with, they will stop dealing with you…There are plenty of people who say, ‚We don’t care about etiquette, but we can’t stand the way so-and-so behaves, and we don’t want him around!‘ Etiquette doesn’t have the great sanctions that the law has. But the main sanction we do have is in not dealing with these people and isolating them because their behavior is unbearable.“ (Quelle: http://en.wikipedia.org/wiki/Judith_Martin)

Miss Manners im Online-Auftritt der Washington Post

Miss Manners auf wowOwow

Judith Martin- Bild

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